DIE LAGE DER IT-SICHERHEIT IN DEUTSCHLAND 2020 | GEFÄHRDUNGSLAGE 1.8 Gefährdungen der CyberSicherheit durch die COVID-19-Pandemie Aufgrund der hochvernetzten globalen Beziehungen in Wirtschaft, Staat und Gesellschaft hat die COVID19-Pandemie umfassende Auswirkungen auf nahezu jeden Lebensbereich. Dies gilt auch für die digitale Welt, die mittlerweile oftmals einen zentralen Baustein für das Aufrechterhalten der notwendigsten Grundversorgung der Bevölkerung bildet, aber auch für die Bekämpfung der Pandemie selbst. So stellen digitale Systeme beispielsweise den essenziellen Informationsaustausch von Forschern zur Bekämpfung der Pandemie, die Lieferketten für lebenswichtige Güter und die Arbeitsgrundlagen für unzählige Unternehmen sicher. Vor diesem Hintergrund könnte ein erfolgreicher Cyber-Angriff zum Beispiel auf eine für die Bewältigung der Pandemie relevante Organisation massive Konsequenzen haben, sowohl für jeden Einzelnen, als auch für die Eindämmung der Pandemie und ihrer gesamtgesellschaftlichen Folgen. Social-Engineering-Angriffe unter Ausnutzung der COVID-19-Pandemie Zu Social-Engineering-Angriffen zählen Betrugs- und Manipulationsversuche, die unter Vorspiegelung falscher Tatsachen und unter Ausnutzung von menschlichen Reaktionen wie Angst oder Hilfsbereitschaft Opfer dazu verleiten, sich selbstschädigend zu verhalten; beispielsweise durch den Klick auf einen Link, der ein Schadprogramm installiert (vgl. Kapitel Diebstahl und Missbrauch von Identitätsdaten, Seite 18). Angreifer, die sich solcher Methoden bedienen, reagieren in der Regel schnell auf medienrelevante, öffentlichkeitswirksame Themen und passen ihre Angriffskampagnen entsprechend an. So beobachtete das BSI auch im Zuge der COVID-19-Pandemie unterschiedliche Kampagnen, die sich die komplexe Gesamtsituation rund um COVID-19 zunutze machten. Hierzu zählen beispielsweise Phishing- und Schadprogramm-Kampagnen, CEO-Fraud, und Betrugsversuche mit IT-Mitteln, auch allgemein Scam genannt. Die von Ängsten, Sorgen und Unsicherheit geprägte Stimmung in weiten Teilen der Bevölkerung kann die Erfolgsaussichten solcher Angriffe zwar begünstigten, unerwartet große Häufungen traten jedoch nicht auf. IT-Sicherheit unter erschwerten Bedingungen Unter normalen Umständen ergibt sich aus den in Organisationen umgesetzten IT-Sicherheitsmaßnahmen, der lokalen Verfügbarkeit von IT-Fachpersonal und Dienstleistern sowie finanziellen und infrastrukturellen Sicherheitsvorkehrungen eine vielschichtige Abwehr- und Reaktionsstruktur. Die häufig erforderliche Verlagerung von Beschäftigten und Geschäftsprozessen ins Home-Office bringt die Gefahr mit sich, dass die IT-Sicherheit zugunsten eines ad hoc funktionierenden Home-Office vernachlässigt wird. Außerdem wurde die Verfügbarkeit und Einsatzfähigkeit von IT-Fachpersonal und IT-Sicherheitsdienstleistern durch die erforderlichen Beschränkungen erschwert. Digitalisierungsschub vergrößert Angriffsfläche Ausgangsbeschränkungen, Schul- und Geschäftsschließungen, Abstandsregeln – die politischen Maßnahmen gegen die COVID-19-Pandemie führten zu weitreichenden Einschränkungen der alltäglichen Lebensführung. In vielen Fällen waren digitale Lösungen das Mittel der Wahl, um elementare Geschäftsprozesse und zwischenmenschliche Beziehungen aufrecht erhalten zu können. Arbeiten im Home-Office, Online-Unterricht, Einkaufen im Internet und der Video-Chat mit Freunden und Verwandten führten zu einer beispiellosen Welle der Digitalisierung vieler Lebensbereiche. Die umfassende, plötzliche Mehrnutzung von Digitalisierungsprodukten eröffnete Angreifern eine stark vergrößerte Angriffsfläche für ihre kriminellen Aktivitäten. Nutzung unsicherer oder nicht ausreichend datenschutzkonformer Lösungen In den Sektoren Bildung, Medizin, Verwaltung und generell bei der Nutzung von Heimarbeitsplätzen wurden schlagartig Kommunikationsplattformen, VPN, Chats sowie Videokonferenzen etabliert. Insbesondere in der privaten Nutzung wurde auf die schon bekannten und gewohnten Messenger sowie sozialen Netzwerke im verstärkten Maße zurückgegriffen. Hingegen wurden im beruflichen Umfeld VPN-Lösungen, Team-Lösungen sowie Software für Videokonferenzen usw. nachgefragt. Bewertungen Aus Sicherheitsgründen ist der Einsatz einer VPNLösung für den Zugriff auf berufliche Dokumente anderen Lösungen wie Dateiversand und öffentlichen Cloud-Diensten vorzuziehen. Auch in einer Krisensituation sollten wichtige Überlegungen zur Sicherheit und Datenschutz wie in der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) zusammengefasst nicht ignoriert werden. Sofern Cloud-Dienste zum Betrieb der Anwendungen erforderlich sind, ist aus Gründen der Sicherheit zu erwägen, ob eine Datenhaltung innerhalb einer privaten Cloud eingerichtet werden kann. 33

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