DIE LAGE DER IT-SICHERHEIT IN DEUTSCHLAND 2020 | GEFÄHRDUNGSLAGE
Laufzeitangriffe gegen das Signaturverfahren ECDSA
Bei einem Laufzeitangriff nutzt der Angreifer die Rechenzeit einer kryptografischen Implementierung als Seitenkanalinformation. So kann bei ungeschützten Implementierungen die Laufzeit Rückschlüsse auf verarbeitete Geheimnisse (z. B.
geheime Schlüssel) zulassen.
Im Berichtszeitraum haben zwei Forscherteams Untersuchungen zu Laufzeitangriffen gegen das Signaturverfahren ECDSA
(Elliptic Curve Digital Signature Algorithm) durchgeführt, die unter den Bezeichnungen Minerva (vgl. Quellenverzeichnis19:
https://minerva.crocs.fi.muni.cz) und TPM-Fail (vgl. Quellenverzeichnis20: https://tpm.fail) veröffentlicht wurden. Bei Minerva wurden ECDSA-Implementierungen von Smartcards und Software-Kryptobibliotheken betrachtet, bei TPM-Fail wurden
Sicherheitselemente für Computer, sogenannte Trusted Platform Modules (TPMs) untersucht.
Die Grundidee der Angriffe ist bereits seit 1999 bekannt. Zunächst wird die Erzeugung mehrerer Signaturen angestoßen.
Dabei werden die jeweils für eine Signaturerstellung benötigten Laufzeiten gemessen. Im Anschluss werden die einzelnen
Informationen mit Hilfe eines mathematischen Verfahrens zusammengeführt, wodurch der geheime Signaturschlüssel
berechnet werden kann. Der Signaturschlüssel ermöglicht es dem Angreifer, Signaturen des Opfers zu fälschen.
Es sind verschiedene Gegenmaßnahmen bekannt, die Laufzeitangriffe gegen ECDSA-Implementierungen effektiv verhindern. Als Teil der AIS 46 veröffentlicht das BSI Leitfäden zur Evaluierung und Zertifizierung von Implementierungen
bezüglich ihrer Widerstandsfähigkeit gegen Seitenkanalangriffe.
1.7
Hybride Bedrohungen
Hybride Bedrohungen und deren Abwehr gewinnen sowohl
im nationalen als auch internationalen Kontext stetig an
Relevanz. Staatliche aber auch nichtstaatliche Akteure greifen vermehrt auf hybride Methoden und Ansätze zurück,
um destabilisierenden Einfluss auf Staaten auszuüben.
Hierzu bedienen sie sich typischerweise verschiedenster
Werkzeuge, wie beispielsweise Cyber-Angriffe, verdeckte
militärische Operationen, wirtschaftlicher Druck oder Desinformation, die in mehreren Domänen Wirkung entfalten
und sich gegenseitig begünstigen können. Dies geschieht oft
unter Verschleierung der Absichten und Urheberschaft bzw.
gezielt unterhalb der Schwelle bestehender rechtsstaatlicher
Interventionsmöglichkeiten.
Die weltweit fortschreitende Digitalisierung ist ein entscheidender Treiber der Dynamik hybrider Bedrohungen, da sich
neue potenzielle Verwundbarkeiten von Staat, Wirtschaft
und Gesellschaft eröffnen. Der Dimension Cyber kommt
deshalb in der Zusammensetzung hybrider Kampagnen
eine herausgehobene Stellung zu. Zusätzlich hat sie eine
besondere Querschnittsfunktion, da auch Maßnahmen in
anderen Dimensionen oftmals von ihr abhängen. In einer
hybriden Kampagne können je nach individueller Ausprägung die physische (z. B. Hardware und Firmware), die
logische (z. B. Virtualisierungen und Betriebssysteme) und
die informationelle
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(z. B. Anwendungen und Daten) Schicht des CyberRaums durch einen Aggressor genutzt werden.
Im Berichtszeitraum zeigte auch die COVID-19-Pandemie
zu Beginn des Jahres 2020, wie Akteure versuchen, mittels
Desinformation, die auch ein hybrides Mittel sein kann,
Einfluss auf andere Staaten auszuüben. Es wird davon
ausgegangen, dass bestehende Ängste und Unsicherheiten innerhalb der Bevölkerung der Zielstaaten ausgenutzt
werden sollten, um durch gezielte Desinformation das
Vertrauen der Bevölkerung in die nationalen Systeme und
die demokratischen Institutionen zu schwächen.
In zunehmendem Maße stützen sich Desinformationen auf
technische Hilfsmittel, die der Manipulation authentischer
Informationen dienen. Beispiele dafür sind das Verfälschen
von Foto-, Video- und Tonaufnahmen sowie das Vortäuschen einer bestimmten Urheberschaft einer Informationsübermittlung (z. B. einer E-Mail oder eines Beitrags in
Sozialen Netzwerken). Solche technischen Manipulationen
hinterlassen oftmals Spuren, bei deren Identifizierung das
BSI mit seiner technischen Expertise unterstützen kann.
Darüber hinaus unterstützt das BSI unter anderem die
Betreiber kritischer Infrastrukturen, die IT-Sicherheit im
Rahmen von Wahlen, steht im Austausch mit den Betreibern Sozialer Netzwerke, z. B. im Rahmen einer Initiative
zur Entwicklung von Sicherheitsempfehlungen, und sensibilisiert mit seinen Angeboten die Bevölkerung in Fragen
der IT-Sicherheit.
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