DIE LAGE DER IT-SICHERHEIT IN DEUTSCHLAND 2020 | GEFÄHRDUNGSLAGE Gemeinsame Analysen der Verbraucherzentrale NRW sowie des BSI auf Basis der Meldungen an das PhishingRadar (vgl. Quellenverzeichnis 4: www.verbraucherzentrale. de) haben ergeben, dass im aktuellen Berichtszeitraum in Deutschland mittlerweile mehr als jeder zweite Link einer Phishing-Nachricht HTTPS verwendet (60 %). Im vergangenen Berichtszeitraum hatte der Wert noch bei 45 Prozent gelegen. Diese Entwicklung dürfte insbesondere darauf zurückzuführen sein, dass gängige InternetBrowser inzwischen einfache HTTP-Seiten negativ kennzeichnen und so das Misstrauen der Opfer erregen. Die für eine verschlüsselte Verbindung notwendigen Zertifikate können kostenfrei im Internet bezogen werden und gewährleisten in der Regel nicht, dass die Besitzer des Zertifikats vertrauenswürdig sind. von Bankfilialen, verbunden mit der Übermittlung von Erreichbarkeiten sowie die Beantragung von Soforthilfe und Kurzarbeitergeld sind nur einige Beispiele. Unter der Ausnutzung menschlicher Eigenschaften, wie Hilfsbereitschaft, Vertrauen, Angst, Dringlichkeitsempfinden oder Respekt vor Autorität, wurden Opfer immer wieder auf Phishing-Seiten geleitet, die von den Originalseiten kaum zu unterscheiden waren. Der Einsatz von HTTPS-Links in Phishing-Nachrichten entwickelt sich hierbei immer mehr zum Standard. Hypertext Transfer Protocol Secure (HTTPS) steht für eine verschlüsselte sowie gegen Manipulation geschützte Datenübertragung und verstärkt insofern den Eindruck von Vertrauenswürdigkeit und Seriosität von Phishing-Seiten. Links in Phishing-E-Mails nach verwendetem Protokoll Anteile in % an allen Links 47 49 50 48 48 44 August September Oktober November 36 30 22 28 32 23 64 70 78 72 68 77 Mai 56 April 52 März 52 Februar 50 Januar 51 Dezember 53 Juli 80% Juni 100% 60% 40% 20% 0% 2019 https 2020 http Abbildung 4 Links in Phishing-E-Mails nach verwendetem Protokoll Quelle: BSI-Auswertung von Rohdaten der Verbraucherzentrale NRW Neben klassischen Phishing-E-Mails wurden auch im aktuellen Berichtszeitraum wieder Erpressungsversuche beobachtet. Hierbei schickten Angreifer in den fingierten E-Mails beispielsweise (korrekte oder vermeintliche) Passwörter der Opfer mit oder gaben vor, das Opfer bei dem Besuch von Internetseiten mit pornografischen Inhalten beobachtet und aufgezeichnet zu haben (Sextortion). Die Angreifer zeigten hierbei eine hohe Kreativität in der Verfassung solcher Erpressungsversuche. Ob durch Androhung der Offenlegung aller Geheimnisse des Opfers, die Androhung von Gewalt oder die Androhung einer Infektion der gesamten Familie mit COVID-19: Ziel ist in der Regel, dem Opfer einen finanziellen Schaden zuzufügen. Neben dem Ausnutzen von Ängsten wurde aber auch an die Hilfsbereitschaft der Menschen appelliert, indem die Angreifer beispielsweise vorgaben, dass ein vermeintlicher Freund im Urlaub in Not geraten sei und nun dringend finanzielle Unterstützung benötige. Auch wurde um zweifelhafte Spenden für die Entwicklung eines Impfstoffes gegen COVID-19 gebeten – zu bezahlen in der Kryptowährung Bitcoin. Zusammenfassend zeigte sich im aktuellen Berichtszeitraum erneut die flexible Orientierung der Angreifer an gesellschaftlichen Ereignissen und aktuellen Themen. Die COVID-19-Pandemie und die mit ihr einhergehende gesellschaftliche Unsicherheit wurde dafür besonders genutzt. 19

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