ZUR SICHERHEITSPOLITIK – DEUTSCHLANDS SICHERHEITSPOLITISCHES UMFELD
Multipolarität und Machtdiffusion
Das internationale System entwickelt sich zu einer politisch, wirtschaftlich und militärisch multipolaren
Ordnung. Die globalen Machtverhältnisse verändern sich – Macht verschiebt sich innerhalb der Staatengemeinschaft, aber auch zwischen Staaten und nichtstaatlichen Akteuren. Als Folge des technologischen
Fortschritts gewinnen vor allem transnationale nichtstaatliche Netzwerke an Bedeutung und verfügen zunehmend über Einflussmöglichkeiten auch in der internationalen Sicherheitspolitik.
Multipolarität und geopolitische Machtverschiebungen werden das Resultat des wirtschaftlich, politisch
und militärisch weiter wachsenden Einflusses von Schlüsselstaaten vor allem in Asien, Afrika und Lateinamerika sein. Dynamische Wachstumsgesellschaften verbinden ihren steigenden Wohlstand und ihre Teilhabe an der globalen Wertschöpfung mit dem Anspruch auf stärkeren Einfluss in regionalen und globalen
Fragen. Sie untermauern dies auch durch eine deutliche Erhöhung ihrer Verteidigungsausgaben und eine
intensivere Koordinierung ihrer Interessen im Rahmen neuer Staatengruppen und Organisationen.
So könnte China bis 2030 schätzungsweise ein Fünftel der globalen Wirtschaftsleistung erbringen, auf Indien würde zu diesem Zeitpunkt ungefähr ein Sechstel entfallen. Mitte dieses Jahrhunderts könnten beide
gemeinsam die Wirtschaftskraft des gesamten OECD-Raums aufweisen. Bei den Verteidigungsausgaben
liegt China schon jetzt mit jenen aller EU-Staaten in etwa gleichauf. Auch andere Schlüsselstaaten werden
ihren internationalen Einfluss weiter ausbauen.
Damit gewinnen Organisationen und Foren an Bedeutung, die sich maßgeblich aus Mitgliedern dieser Staatengruppe zusammensetzen. Die BRICS-Gruppe ist ebenso ein Beispiel wie die Verbindung der
ASEAN-Länder oder der Kompetenzaufwuchs lateinamerikanischer und afrikanischer regionaler und sub
regionaler Organisationen. Auch der Bedeutungszuwachs der G20, die sich zu einem wichtigen Forum für
die internationale Zusammenarbeit in Weltwirtschafts- und Finanzfragen etabliert haben, ist maßgeblich
dem Aufstreben von Schlüsselstaaten geschuldet.
Dynamisches Wachstum – Macht verschiebt sich rasant zwischen Orten und Akteuren.
30
Select target paragraph3
Connect to a paragraph
Connect to an entity
Disable highlights
Add to table of contents