DIE LAGE DER IT-SICHERHEIT IN DEUTSCHLAND 2020 | GEFÄHRDUNGSLAGE
Angriffen auf ausgewählte, zahlungskräftige
Opfer. Insgesamt war das Aufkommen neuer
Schadprogramm-Varianten im Herbst und Winter
überdurchschnittlich hoch (der Tageszuwachs lag
zeitweise bei knapp 470.000 Varianten).
•
Cyber-Kriminelle kommunizieren verschlüsselt
Das Hypertext Transfer Protocol Secure (HTTPS)
steht für sichere, verschlüsselte Datenübertragung
im Internet. Im Berichtszeitraum hat sich jedoch
der Trend zur Nutzung von HTTPS-Seiten durch
Cyber-Kriminelle verstärkt. Wie das BSI in Zusammenarbeit mit der Verbraucherzentrale NRW
herausfand, führt inzwischen mehr als jeder zweite
Link in einer Phishing-E-Mail auf eine HTTPS-Webseite (60 %), die im Gegensatz zu einfachen
HTTP-Webseiten besonders seriös und sicher
erscheinen, tatsächlich aber betrügerischen
Zwecken dienen.
•
Millionen Patientendaten im Internet öffentlich
zugänglich
Meldungen zu Diebstählen von Kundendaten
wurden im Berichtszeitraum erneut regelmäßig
beobachtet. Aber nicht nur Diebstahl führte zum
Datenabfluss. Im Berichtszeitraum wurden auch Datenbanken mit hochsensiblen medizinischen Daten
frei zugänglich im Internet entdeckt. Anders als bei
Datendiebstählen war hier also kein technisch aufwändiger Angriff notwendig, sondern unzureichend
gesicherte oder falsch konfigurierten Datenbanken
Ursache für den Datenabfluss. Allein in Deutschland waren zwischen Juli und September 2019 etwa
15.000 Datensätze von Bundesbürgerinnen und
Bundesbürgern mit insgesamt mehreren Millionen
Bildern frei im Internet verfügbar.
•
Kritische Schwachstellen in Remote-Zugängen
Im Berichtszeitraum sind mehrere kritische
Schwachstellen aufgetreten. Die neuen Schwachstellen BlueKeep und DejaBlue in Windows‘ Remote
Desktop Protocol machen viele Windows-Systeme bis hin zu Windows 10 angreifbar. Durch die
Schwachstellen können Angreifer einen beliebigen
Code – auch Schadprogramme – auf den angreifbaren Systemen ausführen. Die Schwachstellen
ermöglichen Schadprogrammen außerdem, sich
automatisiert weiterzuverbreiten, und werden daher
auch als „wurmfähig“ bezeichnet. Microsoft hat
Sicherheitsupdates für alle betroffenen Systeme
bereitgestellt.
•
Neue APT-Gruppen
Im Zusammenhang mit Advanced Persistent Threats
waren im Berichtszeitraum in Deutschland etwas
mehr als ein Dutzend Gruppen aktiv. Weltweit lag
die Anzahl im dreistelligen Bereich. Immer mehr
Staaten haben inzwischen öffentlich bekannt
gegeben, Cyber-Fähigkeiten zu entwickeln, sodass
die Zahl der aktiven APT-Gruppen weltweit künftig
weiter ansteigen dürfte. Im Gegensatz zu anderen
Angreifern verfolgen APT-Gruppen in der Regel keine cyber-kriminellen Ziele, sondern taktische und
strategische Absichten wie Spionage oder Sabotage.
•
Distributed-Denial-of-Service-Angriffe
(DDoS-Angriffe) mit intelligenten Strategien
DDoS-Angreifer setzten im Berichtszeitraum vermehrt auf technisch hoch entwickelte und strategisch intelligente Angriffe. So konnte insbesondere beobachtet werden, dass Angreifer öffentlich
verfügbare Informationen, wie etwa Störungsmeldungen, nutzten, um während eines Angriffs die
Abwehrmaßnahmen des Opfers zu beobachten und
ihre Angriffsstrategien ad hoc flexibel anzupassen.
•
Social-Engineering-Angriffe unter Ausnutzung
der COVID-19-Pandemie
Cyber-Kriminelle, die sich auf Betrug im Internet
spezialisiert haben, reagieren in der Regel schnell
auf gesellschaftlich relevante Themen und Trends,
um diese für Kampagnen auszunutzen. Im Zuge
der COVID-19-Pandemie wurden beispielsweise
Phishing-Kampagnen, CEO-Fraud und Betrugsversuche mit IT-Mitteln beobachtet. So gelang es
Betrügern beispielsweise, Soforthilfe-Maßnahmen
zu missbrauchen, indem sie die Antragswebseiten
amtlicher Stellen täuschend echt nachahmten. Die
unternehmensbezogenen Daten, die die Antragsteller auf den gefälschten Seiten eingegeben hatten,
nutzten die Cyber-Kriminellen anschließend, um
sich als Antragsteller auszugeben und Hilfsgelder
missbräuchlich zu beantragen.
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