DIE LAGE DER IT-SICHERHEIT IN DEUTSCHLAND 2020 | GEFÄHRDUNGSLAGE Wenn Sicherheitsupdates für Software zur Verfügung stehen, die eine Schwachstelle schließen, sollten diese in der Regel umgehend installiert werden. In Fällen, wo dies zum Beispiel aus Kompatibilitätsgründen nicht möglich ist, sollte der Einsatz von Workarounds geprüft werden, die die Ausnutzung einer Schwachstelle verhindern. In Situationen, in denen weder Patches noch funktionierende vorübergehende Lösungen vorhanden sind, sollte eine befristete Abschaltung der betroffenen Software erwogen werden. Inwieweit die oben genannten Maßnahmen im Einzelfall umsetzbar sind, hängt von den individuellen Einsatzbedingungen einer Software und den damit einhergehenden Risiken ab. In jedem Fall sollte aber auf eine Schwachstelle reagiert werden, da eine unveränderte Beibehaltung zu hohen Risiken führt. Kritische Schwachstellen in Windows‘ Remote Desktop Protokoll Sachverhalt Das Remote Desktop Protocol (RDP) ist ein Dienst in Microsofts Betriebssystem Windows und ermöglicht unter anderem die Fernwartung des Systems. Im Mai 2019 wurde die kritische Schwachstelle BlueKeep in diesem Dienst bekannt, die es entfernten Angreifern ermöglicht, beliebige Programme – auch Schadprogramme – auf dem angreifbaren System auszuführen (vgl. Quellenverzeichnis11: www.microsoft.com). Von BlueKeep sind die älteren Systeme Windows XP, Windows Server 2003, Windows 7, Windows Server 2008 und Windows Server 2008 R2 betroffen. Seit Juni 2019 sind öffentliche Exploits für BlueKeep verfügbar. Diese Schadprogramme suchen nach offen erreichbaren RDP-Diensten im Internet, um sich über die Schwachstelle automatisiert weiterzuverbreiten. BlueKeep wird deshalb auch als „wurmfähig“ bezeichnet. Szenarien wie 2017, als die Ransomware WannaCry innerhalb kurzer Zeit mehrere 100.000 Windows-Systeme infizierte und Daten in großem Umfang verschlüsselte, sind denkbar. Darüber hinaus wurden im August 2019 unter dem Namen DejaBlue zwei weitere Schwachstellen mit ähnlichem Bedrohungspotenzial bekannt. Diese betrafen auch neuere Windows-Systeme bis einschließlich Windows 10 und Windows Server 2019. Auch über DejaBlue können Angreifer ohne Authentifizierung oder Interaktion eines Nutzers einen beliebigen Code aus der Ferne ausführen. Die Schwachstellen sind als kritisch anzusehen. Zwar ist der RDP-Dienst in der Standardeinstellung nicht aktiv, für eine hohe Anzahl von Servern wird der Dienst aber für die Fernwartung verwendet, und dies teilweise relativ ungeschützt über das Internet. Reaktion Microsoft hat in der Konsequenz Sicherheitsupdates für die betroffenen Systeme bereitgestellt, und zwar auch für die sonst nicht mehr unterstützten WindowsXP und Windows-Server-2003-Systeme. Zudem wiesen Microsoft sowie verschiedene deutsche und internationale Sicherheitsbehörden und –dienstleister auf die Schwachstellen und die zur Verfügung stehenden Sicherheitsupdates hin. Das BSI hat zu BlueKeep und DejaBlue Cyber-Sicherheitswarnungen und Pressemitteilungen veröffentlicht (vgl. Quellenverzeichnis 12: www.bsi.bund.de). Empfehlung Bereits bei der Einrichtung von Systemen sollten nur die Programme installiert und betrieben werden, die auch notwendig sind. Eine verkleinerte Angriffsfläche senkt das Risiko, Opfer eines Angriffs zu werden. Wenn ein Sicherheitsupdate zur Verfügung steht, um eine Schwachstelle zu schließen, sollte dies umgehend installiert werden. In Fällen, in denen dies nicht möglich ist, sollten vorübergehende Lösungen geprüft werden, die die Ausnutzung der Schwachstelle verhindern. Mögliche vorübergehende Lösungen sind stark abhängig von der Art der Schwachstelle und dem betroffenen Dienst. Sie können beispielsweise in einer zeitweisen Abschaltung des jeweiligen Dienstes oder einer zeitweisen Nutzung einer alternativen Softwarekomponente liegen. 25

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