DIE LAGE DER IT-SICHERHEIT IN DEUTSCHLAND 2020 | GEFÄHRDUNGSLAGE
halten zum Beispiel auf Webseiten, in Online-Shops oder
auf Social-Media-Plattformen analysiert, um anschließend zielgerichtet an die jeweiligen Nutzerbedarfe angepasste Werbung einblenden zu können.
Bei Malware-Spam handelt es sich um Spam-E-Mails, die
Schadprogramme ungezielt und breit verteilen. Während
der Spam-Versand zurückgegangen ist, ist die Effektivität
von Malware-Spam im Berichtszeitraum weiter gestiegen.
So wurde insbesondere die Spam-Komponente von Emotet im Berichtszeitraum weiterhin erfolgreich für die
Verteilung des Schadprogramms genutzt. Das Schadenspotenzial basiert dabei insbesondere auf ausgefeilten
Social-Engineering-Techniken, durch die die Nutzerin
oder der Nutzer zum Ausführen des Schadprogramms
verleitet wird. Das Infektionsrisiko ist daher als hoch
einzuschätzen (vgl. Kapitel Emotet: Neue Qualität fortschrittlicher Angriffe, Seite 11).
1.1.5 Botnetze
Als Bot wird ein Schadprogramm bezeichnet, das einem
Angreifer den Fernzugriff auf ein infiziertes System
ermöglicht. Jedes Schadprogramm, das eine Verbindung
zu einem Command-and-Control-Server des Angreifers
aufbauen kann, um von dort Befehle entgegen zu nehmen
und auf dem infizierten System auszuführen, ist insofern
ein Bot. Durch die großflächige Verbreitung von Bot-Software haben Angreifer Zugriff auf eine große Anzahl fremder Systeme (Computer, Smartphones, Router, IoT-Geräte
etc.) und können diese für eigene Zwecke missbrauchen.
Den Zusammenschluss mehrerer Bots, die von einer zentralen Stelle gesteuert werden, bezeichnet man als Botnetz.
weiterhin beispielsweise neue Varianten des Botnetzes
Mirai mit zusätzlichen Infektionsmechanismen, um
das Spektrum der Opfersysteme auf zusätzliche Geräteklassen wie IoT-Geräte und weniger stark verbreitete
Hardware-Plattformen (z. B. ARM, ARC, oder PowerPC) zu
erweitern. Diese traten jedoch nicht mit hohen Infektionszahlen oder erfolgreichen DDoS-Angriffen in Erscheinung.
Der Trend zur stärkeren Ausrichtung der Angreifer auf
mobile Endgeräte wie beispielsweise Smartphones und
Tablets war auch im aktuellen Berichtszeitraum wieder zu
beobachten. Im Bereich der Windows-basierten Botnetze
haben insbesondere Emotet und Trickbot größere Infektionswellen in Deutschland verursacht. Beide Schadprogramm-Familien sind bereits seit mehreren Jahren in
Deutschland aktiv und haben neben Privatanwenderinnen und -anwendern auch mehrere größere Institutionen
und Unternehmen infiziert. Durch die Ransomware Ryuk,
die ausgewählte, von Trickbot zuvor ausgespähte Opfer
angreift, wurden große finanzielle Schäden verursacht
(vgl. Kapitel Emotet: Neue Qualität fortschrittlicher Angriffe, Seite 11).
Im Berichtszeitraum wurden täglich bis zu 20.000
Bot-Infektionen deutscher Systeme registriert und
über das BSI an die deutschen Internet-Provider gemeldet. Diese benachrichtigen ihrerseits die betroffenen
Kundinnen und Kunden über die Infektion und stellen
teilweise weiterführende Informationen zur Bereinigung
der Systeme bereit. Zur Erkennung von Botnetz-Infektionen werden sogenannte Sinkhole-Systeme verwendet,
die anstelle der regulären Command-and-Control-Server
der Angreifer die Kontaktanfragen von Bots entgegennehmen. Eine Beschreibung des Sinkholing-Verfahrens
findet sich unter www.bsi-fuer-buerger.de (vgl. Quellenverzeichnis 3: www.bsi-fuer-buerger.de).
Aufgrund des modularen Aufbaus aktueller Bot-Software
ist es dem Angreifer möglich, die Funktionalität eines Bots
flexibel auf die jeweiligen Einsatzzwecke und Angriffsziele anzupassen. Neben der Verursachung von Schäden
auf dem infizierten System selbst (Abgreifen persönlicher
Informationen, Online-Banking-Betrug, Datenverschlüsselung etc.), können die infizierten Systeme auch zum
Angriff Dritter genutzt werden. So können Angreifer die
enormen Rechen- und Netzwerkkapazitäten der zusammengeschlossenen infizierten Systeme zum Beispiel für
bandbreitenstarke DDoS-Angriffe (vgl. Kapitel Distributed
Denial of Service, Seite 29) oder für den Versand von SpamE-Mails verwenden.
Die Bedrohungslage durch Botnetze ist wie auch in den
Vorjahren anhaltend hoch. Die aus dem Sinkholing ermittelten Infektionszahlen bilden stets eine Untergrenze,
da eine vollständige Erfassung aller Botnetz-Infektionen
nicht möglich ist. Abhängig von der Auswahl der beobachteten Botnetze und der zugehörigen Domänen der
Steuerungsserver schwanken die Zahlen der sichtbaren
Infektionen sehr stark. Die bisherigen Erfahrungen aus
Botnetz-Abschaltungen zeigen aber, dass die Dunkelziffer
deutlich höher liegt und sich mindestens in einem siebenstelligen Bereich bewegt.
Im aktuellen Berichtszeitraum wurden Botnetze in erster
Linie zum Informationsdiebstahl sowie zum Nachladen
und Verteilen weiterer Schadprogramme (Banking-Trojaner oder Ransomware) genutzt. Im Vergleich zum vergangenen Berichtszeitraum ging die Anzahl bekannter
DDoS-Botnetze signifikant zurück. Zwar erschienen auch
Aufgrund der stetig breiter werdenden Angriffsfläche
potenzieller Opfersysteme durch unzureichend gesicherte
IoT-Geräte und mobile Systeme ist mit einer kontinuierlichen Zunahme von Infektionen zu rechnen und davon
auszugehen, dass die Anzahl und Größe von Botnetzen
weiterhin zunehmen werden.
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