DIE LAGE DER IT-SICHERHEIT IN DEUTSCHLAND 2020 | GEFÄHRDUNGSLAGE
Im aktuellen Berichtszeitraum setzte sich der Trend zu gezielten Angriffen auf komplette Netzwerke von Unternehmen oder anderen Institutionen fort. Zudem zeigte sich ein
Trend zu gezielten Angriffen auf finanzstarke Opfer.
daten. Den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von angegriffenen Einrichtungen drohen zudem teils drastische Folgen. Die durch Ransomware verursachten Schäden können
existenzbedrohend sein.
So wurden Automobilhersteller und ihre Zulieferer, verschiedene Flughäfen oder Fluggesellschaften, aber auch
weniger bekannte Unternehmen mit hohen Umsätzen
angegriffen. Auch kleinere Betriebe wurden angegriffen,
die sich durch Alleinstellungsmerkmale wie zum Beispiel
die Produktion spezieller Komponenten im Maschinenbau
auszeichnen oder schlechte Schutzmechanismen aufwiesen.
Der entstandene Gesamtschaden bei den betroffenen Unternehmen und Institutionen ist zudem in der Regel weitaus
größer als ein gegebenenfalls gezahltes Lösegeld, da durch
einen Ausfall der IT neben den teils beträchtlichen Kosten
zur Bereinigung und Wiederherstellung von Systemen
unterschiedliche weitere Kosten entstehen. Umsatzausfälle
führen zu direkten Verlusten. Die Kosten steigen aber auch
durch die Installation alternativer Geschäftsprozesse (wenn
etwa zusätzliches Personal eingestellt werden muss) oder die
Beauftragung von Fremdfirmen. Bei der Wiederherstellung
der IT-Infrastruktur nach einem Angriff wird oft auch die
Hardware ausgetauscht, um notwendige, erneuerte Sicherheitskonzepte umsetzen zu können. Auch diese Migration
bewirkt Störungen und Verzögerungen im Betriebsablauf
und hat zum Beispiel Schulungsbedarf zur Folge.
Auch Einrichtungen der öffentlichen Verwaltung, insbesondere auf kommunaler Ebene, wurden zum Ziel von
Angriffen durch Ransomware. Zudem waren auch Universitäten betroffen. Ebenso sind medizinische Einrichtungen,
besonders Krankenhäuser, im Berichtszeitraum Opfer von
Angriffen geworden.
Neben diesen gezielten Angriffen gab es auch im aktuellen Berichtszeitraum weiterhin Ransomware, die breit
gestreut wurde (z. B. Sodinokibi). Die Angreifer versuchen
dabei, ihre Gewinne über eine hohe Anzahl von Opfern zu
maximieren. Mit Hilfe von Social Engineering in Spam-EMails werden viele Nutzerinnen und Nutzer zu Klicks auf
schädliche E-Mail-Anhänge oder Links verleitet. Dabei wird
die persönliche Vertrautheit von Namen oder die Neugier
auf Neuigkeiten bei aktuellen Themen genutzt. Geschickt
werden auch berufliche Zwänge missbraucht, etwa der
Zwang von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einer Personalverwaltung, Bewerbungsschreiben zu öffnen und damit
eventuell schädliche Makros auszulösen. Eine Ransomware
dieser Art ist Sodinokibi (bzw. Sodin oder REvil), die der
vermutete Vorgänger GandCrab in einer besonderen Art
als „Dienstleistungsmodell“ (Ransomware-as-a-Service)
vertrieben wurde.
Der Ablauf bei dieser Art von Erpressung unterscheidet sich
von dem bei netzwerkweiten Angriffen. In der Erpresserbotschaft werden die Opfer auf eine spezielle Webseite geleitet, welche im Tor-Netzwerk 3 betrieben wird. Die Angreifer
stellen hier häufig eine Infrastruktur bereit, über die ihre
Opfer die Zahlung des Lösegelds abwickeln und anschließend ein entsprechendes Entschlüsselungsprogramm herunterladen können. Bei manuell ausgerollter Ransomware
wie Ryuk enthält die Erpresserbotschaft dagegen üblicherweise nur eine oder mehrere E-Mail-Adressen, unter denen
die Opfer zur Verhandlung des Lösegelds Kontakt mit den
Angreifern aufnehmen können.
Die Schäden durch Lösegeldzahlungen und Wiederherstellungskosten steigen stetig, da ganze Netzwerke sabotiert
und unter Umständen hunderttausende Menschen geschädigt werden, z. B. bei der Verschlüsselung von Patienten-
3
Netzwerk zur Anonymisierung von Verbindungsdaten
Für viele Betroffene bedeutet ein Ransomware-Angriff
zudem einen Reputationsverlust. Selbst bei großer Sorgfalt
und vorhandenen Backups können Informationen verloren
gehen (z. B. applikationsspezifische Zwischenspeicher). Güte
und Häufigkeit der Backups entscheiden daher mit darüber, wieviel Aufwand oder Verlust diese verlorenen Daten
verursachen.
Die wichtigste Maßnahme gegen die Folgen von Ransomware-Angriffen besteht in funktionierenden Backups.
Die Rekonstruierbarkeit dieser Backups muss regelmäßig geprüft werden. Sie dürfen nicht aus dem Netzwerk
heraus änderbar sein oder gelöscht werden können
(Offline-Backups). Da Angreifer inzwischen aber häufig
Daten nicht nur verschlüsseln, sondern auch ausleiten und
mit Veröffentlichung drohen, um der Lösegeldforderung
Nachdruck zu verleihen, ist auch ein systematisches, regelgeleitetes Monitoring des Datentransfers erforderlich. So
kann etwa der Abfluss ungewöhnlich hoher Datenmengen
erkannt und frühzeitig unterbunden werden.
Zur Minimierung der Angriffsfläche ist außerdem die
Zahl und Variabilität der von außen zugänglichen Systeme
gering zu halten und Updates der Betriebssysteme sowie der
Server- und Anwendungssoftware regelmäßig und zeitnah
durchzuführen. Eine sachgerechte interne Segmentierung
der Netze hilft zusätzlich, das Ausmaß der Schäden bei
erfolgreichen Angriffen zu begrenzen.
Für Unternehmen und andere Institutionen sollte die
umfassende und kontinuierliche Schulung aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum Thema Informationssicherheit
(Erhöhung der Aufmerksamkeit) und eine restriktive Auswahl der Personen mit (Remote-)Zugang zu den Systemen
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