DIE LAGE DER IT-SICHERHEIT IN DEUTSCHLAND 2020 | GEFÄHRDUNGSLAGE
1 Gefährdungen der Cyber-Sicherheit in Deutschland
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik
(BSI) beobachtet die Gefährdungslage der IT-Sicherheit
in Deutschland kontinuierlich. Der vorliegende Bericht
bezieht sich auf den Zeitraum vom 1. Juni 2019 bis 31.
Mai 2020 (Berichtszeitraum), greift aber auch Ereignisse danach auf. Die Gefährdungslage der IT-Sicherheit
bleibt in diesem Zeitraum angespannt. Dabei konnte eine
Fortsetzung des Trends beobachtet werden, dass Angreifer
Schadprogramme für cyber-kriminelle Massenangriffe auf
Privatpersonen, Unternehmen und andere Institutionen
nutzen. Auch Abflüsse von personenbezogenen Daten, in
diesem Berichtszeitraum u. a. von Patientendaten, sowie
kritische Schwachstellen in Software- und Hardwareprodukten konnten beobachtet werden.
Schutz gegen Angriffe mit Schadprogrammen bietet unter
anderem Antiviren-Software, die diese detektieren, an
einer erfolgreichen Ausführung hindern und vom System
wieder entfernen kann. Manche Angriffe nehmen teilweise aber auch tiefgreifende Veränderungen am infizierten
System vor, die nicht ohne Weiteres rückgängig gemacht
werden können.
1.1.1 Zunahme der Anzahl neuer
Schadprogramm-Varianten
Schadprogramme
Neue Varianten eines Schadprogramms entstehen, wenn
im Programmcode Änderungen vorgenommen werden.
Während für bekannte Schadprogramm-Varianten Detektionsmethoden existieren, sind neue Varianten unmittelbar nach ihrem Auftreten noch nicht als Schadprogramme
erkennbar und daher besonders gefährlich.
Zu Schadprogrammen zählen alle Computerprogramme, die schädliche Operationen ausführen oder andere
Programme hierzu befähigen können. Schadprogramme
gelangen in der Regel über Anhänge oder Links in E-Mails
auf einen Computer. Wenn Nutzerinnen oder Nutzer auf
einen solchen Anhang oder auf einen Link klicken, der
auf eine manipulierte Webseite führt, wird ein Schadprogramm installiert. Darüber hinaus zählen unbemerkte
Downloads im Hintergrund (sogenannte Drive-by-Downloads 1) sowie maliziöse Erweiterungen von legitimen
Programmen zu den typischen Angriffsvektoren. Für die
Infektion nutzen Schadprogramme in der Regel Schwachstellen aus. Diese können in Software- oder HardwareProdukten, an Netzwerkübergängen, zum
Beispiel zwischen Büro- und Produktions16
netzwerken oder zum offenen Internet,
14
sowie im Fall von Social Engineering durch
12
menschliches Versagen auftreten.
1
Kursiv gesetzte Begriffe werden im Glossar erläutert.
1,1
2019
Schadprogramm-Varianten
0,8
6,2
Mai
April
8,5 8,0
7,3
März
10,0
0,9 0,8
0,9
Februar
7,0
13,6
Januar
0
6,6
12,1 13,3
Dezember
2
14,1
10,7
Juli
4
0,8
November
6
1,3
0,8
0,9
0,8
1,0
Oktober
8
0,9
Anzahl in Millionen
Juni
Die einzelnen Schadprogramme unterscheiden sich im Hinblick auf ihre Funktionalität, wobei ein Schadprogramm auch
mehrere Funktionalitäten aufweisen kann.
Als Ransomware werden beispielsweise
Schadprogramme bezeichnet, die etwa
durch Verschlüsselung den Zugang zu
Daten oder Systemen einschränken, um
anschließend ein Lösegeld zu erpressen
(vgl. Kapitel Ransomware, Seite 11). Schadprogramme, die sich als gutartige Software
tarnen oder in legitimen Dateien verstecken,
werden als Trojaner bezeichnet (vgl. Kapitel
Emotet: Neue Qualität fortschrittlicher
Neue Schadprogramm-Varianten
September
10
Die Anzahl neuer Schadprogramm-Varianten hat im aktuellen Berichtszeitraum um rund 117,4 Millionen zugenommen (siehe Abbildung 1; Quelle dieser und der folgenden
Daten: BSI-Auswertung von Rohdaten des Instituts AV-Test
GmbH).
August
1.1
Angriffe, Seite 11) und solche, die zum Beispiel mit Hilfe
von Command-and-Control-Servern fernsteuerbar sind,
als Bot (vgl. Kapitel Botnetze, Seite 16).
2020
Potenziell unerwünschte Anwendung
Abbildung 1 Neue
Schadprogramm-Varianten,
Quelle: BSI-Auswertung von Rohdaten des Instituts AV-Test GmbH
9
Select target paragraph3
Connect to a paragraph
Connect to an entity
Disable highlights
Add to table of contents