DIE LAGE DER IT-SICHERHEIT IN DEUTSCHLAND 2020 | ZIELGRUPPENSPEZIFISCHE ERKENNTNISSE UND LÖSUNGEN
Medizinprodukten müssen als potenzielle Einfallstore für
Kriminelle gesehen werden. Ihre Ausnutzung könnte die
Vertraulichkeit, die Integrität und die Verfügbarkeit von
Daten betreffen und möglicherweise zu gesundheitlichem
Schaden oder im schlimmsten Fall sogar zum Tod von Patientinnen und Patienten führen. Daher ist die Diskussion
zur Cyber-Sicherheit von Medizinprodukten ein Thema,
das weltweit nicht nur Hersteller und Betreiber, sondern
auch Patientinnen und Patienten bewegt.
Das BSI sieht sich in der Verantwortung, die CyberSicherheit im Bereich der vernetzten Medizinprodukte,
beispielsweise durch Projekt- oder Gremienarbeit und
Publikationen, mitzugestalten und voranzutreiben. Das
BSI-Projekt ManiMed – Manipulation von Medizinprodukten - soll im Folgenden näher beleuchtet werden, da
eine solche Untersuchung bisher weder auf nationaler
noch internationaler Ebene durchgeführt wurde und die
Ergebnisse möglicherweise wegweisend für diesen Bereich
des Gesundheitswesens sein können.
ManiMed – Manipulation von Medizinprodukten
Das Projekt ManiMed startete Anfang 2019 und hat den
Anspruch bis zum Projektende (Q4/2020), die CyberSicherheitslage von vernetzten Medizinprodukten möglichst realistisch abzubilden. Darüber hinaus soll es dazu
beitragen, dass sowohl die Kooperation zwischen allen Beteiligten (Hersteller, Sicherheitsforscher und Behörden) als
auch alle Prozesse, die zu einem Coordinated Vulnerability
Disclosure (CVD, koordinierte Offenlegung von Schwachstellen in IT-Produkten) gehören, aktiv vorgelebt werden.
Dadurch wird die Sensibilität für und die Handhabbarkeit
von Schwachstellen gestärkt und so ein Beitrag dafür
geleistet, die Cyber-Sicherheit im Bereich von vernetzten
Medizinprodukten langfristig auf einem hohen Niveau zu
halten.
Je zwei Produkte aus fünf unterschiedlichen Gerätegruppen wurden zur IT-sicherheitstechnischen Untersuchung
ausgewählt. Diese sollten im Idealfall eine hohe Anzahl an
Schnittstellen aufweisen (große Angriffsoberfläche) und
erst innerhalb der letzten fünf Jahre in Deutschland in den
Verkehr gebracht worden sein. Es wurden Produkte aus
den folgenden Geräteklassen ausgewählt:
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Implantierbare Herzschrittmacher oder
Defibrillatoren und deren Zubehör,
Insulinpumpen,
Beatmungsgeräte,
Patientenmonitore,
Infusionspumpen.
zogen und die gefundenen Schwachstellen in Form eines
detaillierten Prüfberichts dem Hersteller übermittelt. Im
Anschluss wurden diese in vertrauensvoller Zusammenarbeit mit dem Hersteller, den Sicherheitsforschern und
dem BSI diskutiert.
Der Hersteller erarbeitet aus dem vorliegenden Prüfbericht eine Risikoeinschätzung und leitet ggf. weitere
interne Prozesse ein. Das Vorgehen im Projekt orientiert
sich an einem CVD, bei dem die gefundenen IT-Sicherheitslücken vorerst nicht veröffentlicht werden (mind. 90
Tage), damit der Hersteller Zeit hat, sie zu beheben und
entsprechende Sicherheitsupdates zu entwickeln, zu überprüfen und auszurollen. Sollte der Hersteller anhand der
gefundenen Schwachstellen jedoch ein Patientenrisiko im
Zuge seiner Risikoeinschätzung erkennen können, so wird
das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte
(BfArM) als zuständige Aufsichtsbehörde für Medizinprodukte-Vigilanz hinzugezogen.
Die Kommunikation zwischen allen Beteiligten und das
Sicherstellen von gegenseitigem Vertrauen während der
Zusammenarbeit ist, neben der technischen Expertise, ein
eminent wichtiger Aspekt in diesem Projekt. Der transparente und offene Umgang mit Schwachstellen und der
entsprechende Kommunikationsaustausch in diesem
Bereich sind notwendig, um dieses Vertrauen langfristig aufzubauen, zu halten und zu stärken. Erst wenn die
Schwachstellen behoben sind, werden sie, in Absprache
mit dem Hersteller, veröffentlicht und gegebenenfalls
auf einschlägigen IT-Sicherheitskonferenzen vorgestellt.
Von den insgesamt zehn Produkten, die im Rahmen des
Projekts untersucht werden, konnten die meisten Produkte durch Teststellungsverträge mit den entsprechenden Herstellern zur Verfügung gestellt werden. Das BSI
begrüßt die Bereitschaft der Hersteller, ihre Produkte auf
Cyber-Sicherheitseigenschaften testen zu lassen und mit
Sicherheitsforschern und dem BSI zusammenzuarbeiten.
Die aktuellen und teils kritischen Ergebnisse zeigen
bereits, dass Schwachstellen bestehen, die durchaus
häufiger auftreten, und dass bereits zum Projektende konkrete Aussagen zur Cyber-Sicherheitslage von Medizinprodukten getroffen werden können. In der abschließenden IT-Sicherheitsbetrachtung sollen die Ergebnisse des
Projekts in verständlicher Form dargestellt werden. Das
Projekt soll dazu beitragen, dass die Gefährdungslage bezüglich der Cyber-Sicherheitseigenschaften von vernetzten Medizinprodukten besser eingeschätzt werden kann.
Idealerweise fließen die Ergebnisse, die sich aus den Tests
ergeben, in die Standardisierung ein und helfen dem BSI
bei der Erstellung Technischer Richtlinien und weiterer
Publikationen.
Die Produkte wurden tiefgehenden IT-sicherheitstechnischen Prüfungen durch die ERNW Research GmbH unter-
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