DIE LAGE DER IT-SICHERHEIT IN DEUTSCHLAND 2020 | GEFÄHRDUNGSLAGE
Nicht unmittelbar zu den neuen elaborierten Angriffen zählen die sogenannten Multivektor-Angriffe, die
bereits im BSI-Lagebericht 2019 thematisiert wurden.
Sie erreichten im vierten Quartal 2019 einen Anteil von
65 Prozent und setzten somit ihre Entwicklung weiter
fort (vgl. Quellenverzeichnis 13: www.link11.com). Im
Gegensatz zu herkömmlichen DDoS-Angriffen zeichnen sich Multivektor-Angriffe durch eine zielgerichtete
Zusammensetzung der verwendeten Angriffsvektoren
aus. Dies bedeutet für die Opfer eine deutlich komplexere
Bedrohungslage, für deren Abwehr ein ebenso komplexes Fachwissen über die verschiedenen DDoS-Angriffsarten nötig ist. Auch diese Angriffsform hat das Potenzial, gegen bestehende Schutzmaßnahmen ihre Wirkung
entfalten zu können. Die Reaktionszeiten von statischen
Schutzlösungen auf Basis statischer Schwellwerte erweisen sich angesichts von Angriffen mit Vektorenwechseln
im Minutentakt als zu langsam und zu ineffizient.
eingehender mathematischer Kryptoanalyse allgemein
als sicher angesehen werden.
Insgesamt betrachtet hat sich der Trend aus dem vergangenen Berichtszeitraum hin zu fortschrittlichen
DDoS-Angriffen weiter verstetigt, auch wenn fortschrittliche Angriffe – mit Ausnahme der bereits verbreiteten
Multivektor-Angriffe – momentan noch einen vergleichsweise geringen Anteil am gesamten Angriffsaufkommen
ausmachen. Auch anhand vergleichbarer Erfahrungen bei
anderen Bedrohungen (z. B. bei Schadsoftware) erscheint
es plausibel, dass diese Entwicklung anhält und fortschrittliche DDoS-Angriffe in der Zukunft zunehmen
werden.
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Der Trend hin zu fortschrittlichen Angriffen macht es
erforderlich, die Schutzlösungen entsprechend anzupassen. Die Wirksamkeit von statischen Schutzlösungen
ist dabei allerdings begrenzt. Um den fortschrittlichen
Angriffen in diesem Sinne begegnen zu können, sind
dynamische Konzepte für Gegenmaßnahmen erforderlich wie zum Beispiel die automatische Ableitung von
Filterdefinitionen aus dem Angriffsmuster. Qualifizierte
DDoS-Mitigation-Dienstleister im Sinne von § 3 Abs. 3
BSIG erfüllen die letztgenannte Anforderung. Eine Liste
mit qualifizierten Dienstleistern einschließlich der verwendeten Auswahlkriterien ist auf www.bsi.bund.de
(vgl. Quellenverzeichnis 16: www.bsi.bund.de) verfügbar.
1.6
Angriffe im Kontext Kryptografie
Kryptografische Mechanismen stellen wichtige Grundbausteine für die Umsetzung von Sicherheitsfunktionen in
IT-Produkten dar. Dem Stand der Technik entsprechende
Kryptoalgorithmen liefern hierfür grundsätzlich ausgezeichnete Sicherheitsgarantien. Das BSI empfiehlt in
der Technischen Richtlinie TR-02102 eine Reihe kryptografischer Algorithmen und Protokolle, die aufgrund
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Bevor ein kryptografisches Verfahren implementiert
werden kann, wird es zunächst mathematisch bzw. auf
dem Papier geplant. Dabei ist die Sicherheit eines solchen
Verfahrens in der Regel an gewisse Voraussetzungen geknüpft. Zum Beispiel müssen die verwendeten Schlüssel
unvorhersagbar sein und dürfen nicht durch Zwischenergebnisse der Prozessberechnungen oder Seitenkanalangriffe abfließen. Falls in der praktischen Umsetzung
eines Verfahrens nicht alle Voraussetzungen erfüllt sind,
müssen zusätzliche Absicherungsmaßnahmen getroffen
werden. Folgende Aspekte können dazu beitragen, dass
ein Kryptosystem in der Praxis nicht den vorgesehenen
Zweck erfüllt:
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Schwächen in kryptografischen Mechanismen
(vgl. Kasten Kollisionsangriffe gegen SHA-1, Seite 31)
Implementierungsfehler
Unzureichend abgesicherte Seitenkanäle
Hardware-Schwachstellen (vgl. Kapitel
Schwachstellen in Hardware-Produkten, Seite 26)
Schwache Zufallszahlen, die zu vorhersagbaren und
damit weniger sicheren kryptografischen Schlüsseln
führen können.
In einem typischen Einsatzszenario wie die Kommunikation über ein unsicheres Netzwerk, in dem zumindest
die Endpunkte geschützt sind, werden IT-Produkte in
einer sicheren Umgebung betrieben und kommunizieren
mit anderen Geräten über ein offenes Netzwerk. Für die
vertrauliche und integritätsgeschützte Kommunikation
stehen verschiedene kryptografische Protokolle zur
Verfügung, für die gemeinhin angenommen wird, dass
ein Angreifer mit Netzwerkzugriff weder die geheimen
Schlüssel in Erfahrung bringen noch Nachrichten entschlüsseln oder unbemerkt manipulieren kann. Für
die Wirksamkeit der kryptografischen Protokolle muss
zum einen die korrekte Implementierung sichergestellt
sein. Zum anderen muss verhindert werden, dass das an
der Netzwerkschnittstelle beobachtbare Verhalten der
Geräte (z. B. Fehlermeldungen, Antwortzeit) Informationen über verarbeitete Geheimnisse preisgibt (vgl. Kasten
Laufzeitangriffe gegen ECDSA, Seite 32).
Bei der Absicherung von Kryptosystemen, die selbst
Angreifern in räumlicher Nähe standhalten sollen,
müssen neben der Laufzeit noch weitere Informationen
wie Stromverbrauch oder elektromagnetische Abstrahlung der Geräte berücksichtigt werden, weil diese für
Seitenkanalangriffe verwendet werden können. Intensive
Forschung auf diesem Gebiet hat neben Gegenmaßnahmen auch neue Angriffsvektoren hervorgebracht. Die
Künstliche Intelligenz (KI) spielt auch in der Kryptografie
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