DIE LAGE DER IT-SICHERHEIT IN DEUTSCHLAND 2020 | GEFÄHRDUNGSLAGE
on Windows 7 ist inzwischen ein Jahrzehnt alt und noch
weit verbreitet. Nach dem Support-Ende bleibt Windows
7 voll funktionsfähig und installationsfähig, jedoch
ungeschützt vor neuen Risiken.
Das BSI empfiehlt Privatanwenderinnen und -anwendern sowie Unternehmen, die betroffenen WindowsBetriebssysteme nicht mehr zu verwenden und zu einem
Betriebssystem zu wechseln, für das weiterhin Sicherheitsupdates bereitgestellt werden. Vor einem Upgrade
oder Wechsel des Betriebssystems sollte geprüft werden,
ob die technischen Systemanforderungen für das neue
Betriebssystem erfüllt sind. Auch eingesetzte Programme oder Fachanwendungen sowie Peripheriegeräte
wie zum Beispiel Drucker sollten unterstützt werden.
Schließlich sind Datensicherungen durchzuführen, um
einem möglichen Datenverlust vorzubeugen. Da die
Migration eines Betriebssystems, insbesondere in größeren Organisationen, mit einem beträchtlichen zeitlichen
und personellen Aufwand verbunden sein kann, sollte
zeitnah gehandelt werden.
Kritische Schwachstelle in Citrix-Produkten
Sachverhalt
Am 17. Dezember 2019 veröffentlichte das US-Softwareunternehmen Citrix Informationen über kritische Schwachstellen in
mehreren seiner Produkte und empfahl Gegenmaßnahmen, um gegen eine Ausnutzung abgesichert zu sein. Die betroffenen
Software-Produkte dienten unter anderem als VPN-Gateway für den entfernten Zugriff auf organisationsinterne Anwendungen und wurden weltweit von über 80.000 Unternehmen in 158 Ländern eingesetzt. In ihrer Funktion als Gateway stellten sie
einen der neuralgischen Netzwerkübergänge dar, die ein Unternehmensnetzwerk vom Internet trennen und regulieren. Durch
die Schwachstellen waren Angreifer in der Lage, einen beliebigen Code – auch Schadprogramme – auf ebenjenen Netzwerkübergängen zur Ausführung zu bringen. Abhängig von weiteren Schutzmaßnahmen in den Unternehmensnetzwerken
standen den Angreifern dadurch ggf. weitreichende Möglichkeiten für weitere Angriffe offen.
Ab dem 8. Januar 2020 wurden Exploits öffentlich, die sich durch ihre einfache Handhabbarkeit auszeichneten. Dies ermöglichte
unterschiedlichen Angreifern, die Exploits zeitnah für ihre jeweiligen Zwecke anzupassen und auszunutzen (vgl. Quellenverzeichnis7: www.trustedsec.com). In der Folge konnte eine massive Ausnutzung der Schwachstellen beobachtet werden (vgl. Quellenverzeichnis 8: https://deyda.net, vgl. Quellenverzeichnis 9: https://blog.dcso.de, vgl. Quellenverzeichnis10: www.fireeye.com).
Reaktion
Das BSI hat seit dem Bekanntwerden des Exploit-Codes ca. 5.000 verschiedene durch die Schwachstellen verwundbare
Systeme allein in Deutschland identifiziert und an die zuständigen Netzbetreiber und Internet-Provider gemeldet, um über
die Gefährdung zu informieren. Es ist jedoch anzunehmen, dass zeitweise mehr als die 5.000 identifizierten Systeme in
Deutschland gefährdet waren.
Bis zum 24. Januar 2020 stellte der Hersteller sukzessive Sicherheitsupdates bereit, welche die Schwachstellen in den betroffenen Produktversionen schlossen. Nach der Bereitstellung der Updates nahm die Anzahl an verwundbaren Systemen
deutlich ab und lag zuletzt bei etwa 230. Zudem hat das BSI mehrere Dutzend Systeme an die zuständigen Netzbetreiber
und Internet-Provider gemeldet, auf denen die Angreifer sogenannte Backdoors installiert hatten. Solche Backdoors ermöglichen den Angreifern den Zugriff auf das System, auch wenn die Schwachstelle geschlossen wurde.
Empfehlung
Anwenderinnen und Anwendern der betroffenen Produkte, die die Handlungsempfehlungen des Herstellers zur vorübergehenden Schließung der Schwachstellen bis zur Bereitstellung eines Patches nicht vor der beobachteten großflächigen
Ausnutzung umgesetzt hatten, wird empfohlen, ihre direkt mit dem Internet verbundenen Citrix-Systeme auf eine wahrscheinliche Kompromittierung hin zu prüfen.
Bereits vor dem Bekanntwerden von Schwachstellen sollten nach Möglichkeit nur Programme auf einem System installiert
sein und betrieben werden, die auch notwendig sind. Diese Verkleinerung der Angriffsfläche reduziert das Risiko, Opfer
eines Cyber-Angriffs zu werden („Härtung“).
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