DIE LAGE DER IT-SICHERHEIT IN DEUTSCHLAND 2020 | ZIELGRUPPENSPEZIFISCHE ERKENNTNISSE UND LÖSUNGEN
2.1.6 Sicherheit von Wearables, Smart
Home und dem Internet der Dinge
Wearables sind intelligente elektronische Geräte, die am
Körper getragen werden, und aus dem Leben vieler Menschen nicht mehr wegzudenken. Vor allem Fitness-Tracker
sind sehr beliebt. Armbanduhren zeigten früher nur die
Uhrzeit oder das aktuelle Datum an, können heutzutage
jedoch, sofern sie smart sind, bei alltäglichen Dingen des
Lebens unterstützen, zum Beispiel beim Lesen oder Schreiben von Nachrichten, beim Erhalt und der Steigerung von
körperlicher Fitness oder beim Zurechtfinden in fremden
Umgebungen. Kurz gesagt: Smart Watches bieten viele
nützliche Funktionen bis hin zur Erweiterung des eigenen
Smartphones am Handgelenk.
Insbesondere Smart Watches mit GPS-Tracking sind beliebt,
auch um den Standort von Kindern oder hilfsbedürftigen
Personen nachvollziehen zu können. Eine ständige Internetanbindung und GPS-Tracking eröffnen allerdings auch
Möglichkeiten für kriminelle Absichten. So existieren zum
Beispiel Medienberichte über kritische Schwachstellen in
Smart Watches, die die Privatsphäre von Nutzerinnen und
Nutzern verletzen.
Bei einer Smart Watch für Kinder stellte ein Sicherheitsforscher beispielsweise gravierende Sicherheitsmängel fest
und informierte hierüber Ende 2019 sowohl das Computer
Emergency Response Team (CERT) des BSI als auch die Presse. Daraufhin wurden die Schwachstellen in einer sicherheitstechnischen Prüfung verifiziert und der Hersteller zu
einer Stellungnahme nach § 7a BSIG zu den festgestellten
Schwachstellen aufgefordert.
Aufgrund einer fehlenden Verschlüsselung bei der Kommunikation zwischen der Smartphone-App und dem Server
des Herstellers sowie einer fehlerhaft durchgeführten
Authentifizierung war es möglich, die übertragenen Daten
mitzulesen und persönliche Daten von Nutzerinnen und
Nutzern abzufragen.
Durch das Ändern der Geräte-ID in einer Konfigurationsdatei
der App auf dem Smartphone wurde darüber hinaus die Möglichkeit eröffnet, die App mit der Smart Watch einer anderen
Person zu verbinden. Somit erhielt der Angreifer Zugriff
auf die gespeicherten Daten einer fremden Smart Watch,
zum Beispiel auf die Telefonkontakte, den Live-Standort der
Person u. ä.. Dadurch wurde eine Übernahme und Steuerung
beliebiger Benutzer-Accounts ermöglicht, ohne dass die
eigentliche Inhaberin oder der Inhaber dies zwangsläufig
bemerkt hätte. Die Geräte-IDs wurden fortlaufend vergeben,
was eine Übernahme eines Benutzer-Accounts durch die
fehlende Authentisierung erleichterte. Um diese Schwachstellen ausnutzen zu können, bedurfte es keines tiefer gehenden
technischen Wissens.
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Nach Bekanntwerden der Schwachstellen beim Hersteller
wurde das Produkt von diesem zunächst vom Markt genommen.
Der Hersteller überarbeitete die Smart Watch und berichtete
dem BSI, dass die Schwachstellen nun geschlossen seien. Dies
wurde durch eine erneute Überprüfung nachvollzogen. Hierbei war festzustellen, dass die bekannten Schwachstellen mit
Hilfe eines Software-Updates der Smartphone-App und einer
Schnittstelle am Server des Herstellers geschlossen wurden.
Ein solcher Fall ist keine Ausnahme und trat in der Vergangenheit bereits mehrfach in ähnlicher Form auf. Präventiv
können bereits in der Konzeptions- und Entwicklungsphase
von smarten Produkten Sicherheitsstandards wie zum Beispiel der europäische Standard ETSI EN 303 645 angewendet
werden. Dieser fordert beispielsweise, dass die Kommunikation von sensiblen persönlichen Daten, insbesondere zu externen Services, nach dem Stand der Technik verschlüsselt sein
muss. Außerdem adressiert der Standard eine Basisschutzanforderung für Consumer-IoT-Geräte, worunter auch die
Smart Watches fallen. Das BSI beteiligt sich an der Entwicklung des Standards und den zugehörigen Prüfspezifikationen.
Generell lässt sich festhalten, dass Smart Watches und andere
Geräte im Smart Home viele persönliche und sensible Daten
generieren und speichern. Diese Daten sind ein wertvolles
Ziel für Angreifer. Daher ist es wichtig und sinnvoll, diese
Geräte entsprechend zu schützen.
Das BSI setzt sich dafür ein, ein angemessenes Schutzniveau
im Bereich der IT-Sicherheit insbesondere bei smarten
Verbraucherprodukten zu etablieren. Die Schaffung angemessener Sicherheitsstandards und deren flächendeckender Einsatz bei Herstellern und Entwicklern ist dabei ein
vordringliches Ziel des BSI. Die Förderung von Security by
Design und Security by Default von der Produktentwicklung
über den kompletten Lebenszyklus hinweg kann dabei das
Sicherheitsniveau signifikant anheben und die geschilderten
Angriffsmöglichkeiten deutlich reduzieren. Hierzu befindet sich das BSI in einem stetigen Austausch mit wichtigen
Stakeholdern und bietet darüber hinaus ein umfangreiches
Online-Angebot, um einen selbstbestimmten und bewussten
Umgang der Bürgerinnen und Bürger mit smarten Produkten und Services im Internet of Things und dem Smart Home
zu fördern.
2.1.7 Sicherheit von Medizinprodukten
Die fortschreitende Digitalisierung im Gesundheitswesen
hat nicht nur auf den Bereich der medizinischen Versorgung einen großen Einfluss, sondern auch auf die Medizintechnik und hier insbesondere auf die Vernetzung von
Medizinprodukten. Schwachstellen in und an vernetzten
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