DIE LAGE DER IT-SICHERHEIT IN DEUTSCHLAND 2020 | GEFÄHRDUNGSLAGE
1.5
Distributed Denial of Service
Als Distributed-Denial-of-Service-Angriffe (DDoS-Angriffe) werden Überlastungsangriffe auf Internetdienste
bezeichnet. Wenn eine Webseite wie zum Beispiel ein
Online-Shop oder eine Internetplattform nicht mehr
erreichbar ist, Netzwerkdienste ausfallen oder kritische
Geschäftsprozesse wegen Überlastung blockiert werden,
ist eventuell ein DDoS-Angriff die Ursache. DDoS-Angriffe
werden meist genutzt, um gezielt Schaden anzurichten,
die Opfer zu erpressen oder Aufmerksamkeit für eine eigene Sache zu erregen, beispielsweise eine politische Forderung. Ein weiteres Motiv liegt darin, andere Angriffe zu
verschleiern oder erst zu ermöglichen. DDoS-Angriffe werden häufig mittels einer großen Anzahl von Computern,
ggf. Servern, parallel durchgeführt (vgl. Kapitel Botnetze,
Seite 16). DDoS-Angriffe werden bereits seit zwei Jahrzehnten beobachtet, und so feierte DDoS im Berichtszeitraum
einen runden Geburtstag: Als erster beobachteter DDoS
gilt ein Angriff auf die Universität von Minnesota am 22.
Juli 1999 (vgl. Quellenverzeichnis13: www.link11.com).
Die Auswirkungen von DDoS-Angriffen können beträchtlich sein. Sie können bei den betroffenen Institutionen
einen großen wirtschaftlichen Schaden verursachen und
auch einen Reputationsverlust nach sich ziehen. Für die
digitale Geschäftswelt stellen sie eine der größten CyberBedrohungen überhaupt dar, da sie sich unmittelbar gegen die Verfügbarkeit der angebotenen Dienstleistungen
richten.
Wie bereits im vergangenen Berichtszeitraum war die
Lage im Bereich von DDoS-Angriffen durch mehrere, sich
überschneidende Entwicklungen gekennzeichnet. Nach
wie vor setzte sich die stetige Spezialisierung der Angreifer durch Entwicklung und Anwendung neuer Angriffsvektoren fort. Aktuelle Beispiele dafür sind WS-Discovery,
Apple Remote Management Service und TCP-Amplification. Gleichwohl standen für fachlich weniger spezialisierte
Angreifer auch weiterhin sogenannte DDoS-Booterdienste
zur Verfügung. Sie machen es Angreifern ohne technische
Kenntnisse und ohne kriminelle Biographie (z. B. Schülern (vgl. Quellenverzeichnis14: www.cl.cam.ac.uk) immer
leichter, Angriffe mit hohem Schadenspotenzial durchzuführen (vgl. Quellenverzeichnis 2: www.bsi.bund.de).
Darüber hinaus waren im Berichtszeitraum erhöhte
DDoS-Aktivitäten zu anlassbezogenen Ereignissen im
E-Commerce-Umfeld (Vorweihnachtsgeschäft, Black
Friday, Cyber Monday) oder im Gaming-Umfeld zu beobachten.
Neu dagegen sind im aktuellen Berichtszeitraum beobachtete Angriffe mit erhöhter Qualität, welche weit über
das Maß der erwarteten Entwicklungen durch Spezialisie-
rung auf bestimmte Zielgruppen hinausgehen: Gemeint
sind technisch elaborierte Angriffe, die im Gegensatz zu
früheren bandbreitenstarken Angriffen nunmehr intelligente und effiziente Strategien anwenden. Diese Angriffe
können selbst bislang als wirksam geltende Schutzmaßnahmen überwinden und dadurch die Entwicklung
grundlegend neuer Schutzkonzepte und Schutzmaßnahmen erforderlich machen.
So vermehren sich Meldungen über aktiv gesteuerte
Angriffe, bei denen der Angreifer aktiv auf Gegenmaßnahmen des Opfers reagiert, um die Wirkung des Angriffs
trotz Gegenwehr aufrechterhalten zu können. Dafür
verwendet der Angreifer Informationen über den Verlauf
des Angriffs, die er zum Beispiel aus öffentlichen Quellen
bezieht. Ein Beispiel dafür ist der Angriff auf eine große
Direktbank mit rund vier Millionen Kundinnen und
Kunden im Januar 2020, der über mehrere Tage angehalten hat. Der Angreifer nutzte dabei die öffentliche Seite
allestörungen.de, um Informationen über den Verlauf und
die Wirkung des Angriffs auf das Opfer zu gewinnen. Die
Seite sammelt Statusberichte und Störungsmeldungen
zum Beispiel von Kundinnen und Kunden und erkennt
dadurch frühzeitig Serviceunterbrechungen und -störungen bei Dienstleistern aus verschiedenen Bereichen
(z. B. Banking, Online-Handel, Internet-Provider). Dem
Angreifer standen auf diese Weise zeitnah die benötigten
Informationen zur Verfügung, um auf die getroffenen
Gegenmaßnahmen aktiv reagieren zu können. Bei einem
Angriff auf einen südafrikanischen Internet-Provider beobachtete der Angreifer die Gegenmaßnahmen ebenfalls,
um seine Angriffsstrategie daran anzupassen. Da gegen
diese noch keine Schutzmaßnahmen bestanden, blieb der
Internet-Provider weiterhin nicht verfügbar.
Im zweiten Halbjahr 2019 trat zudem verstärkt eine
Strategie auf, die bereits seit Ende 2017 bekannt ist und als
Carpet Bombing (Flächenbombardement) bezeichnet wird
(vgl. Quellenverzeichnis 15: www.datensicherheit.de; vgl.
Quellenverzeichnis 13: www.link11.com). Dabei umgeht der
Angreifer den klassischen DDoS-Schutz an der Netzwerkgrenze, indem er den Angriff gegen eine große Anzahl von
IP-Adressen innerhalb dieses Netzwerks richtet. Die Datenmenge des Angriffs pro IP-Adresse ist dadurch jeweils
so klein, dass sie sich unter den Detektions-Schwellwerten
der meisten DDoS-Schutzlösungen bewegt, der Angriff
daher nicht detektiert und somit nicht abgewehrt wird.
In der Summe entspricht die Angriffsbandbreite aller
Einzelangriffe zwar der eines großen DDoS-Angriffs von
mehreren dutzenden oder hunderten Gbit/s, der Angriff
wird jedoch nicht detektiert. Dieser Angriffstyp stellt
besonders für Internet-Provider eine erhebliche Gefahr
dar und wurde auch bei dem erwähnten Angriff auf den
südafrikanischen Internet-Provider über zwei Tage angewendet.
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