DIE LAGE DER IT-SICHERHEIT IN DEUTSCHLAND 2020 | GEFÄHRDUNGSLAGE
selbstverständlich sein. Bei den notwendigen Zugängen sind
hohe Anforderungen an die Passwortrichtlinien und die
verwendeten Protokolle zu stellen.
Um im Falle eines Angriffs vorbereitet zu sein, müssen
Reaktionsszenarien schriftlich festgehalten sein, die alle
beschriebenen Aspekte eines Angriffs, zum Beispiel Schäden an Produktionsanlagen, den Einsatz von Personal und
Sicherheitsfirmen, alternative Geschäftsprozesse oder den
Reputationsverlust, als Teil des Notfallmanagements mit
einbeziehen.
Ransomware in Krankenhäusern
Sachverhalt
Am Samstag, den 13. Juli 2019 kam es auf zentralen Systemen der DRK-Trägergesellschaft Süd-West zu einer Verschlüsselung durch eine Ransomware. Die angeschlossenen Krankenhäuser in Rheinland-Pfalz und im Saarland wurden
dadurch erheblich in ihrer Versorgungsleistung beeinträchtigt.
Reaktion
Über das Nationale Cyber-Abwehrzentrum erfuhr das BSI von dem Vorfall und leitete die sogenannte Koordinierte
Fallbearbeitung ein, an der verschiedene Bundes- und Landesbehörden beteiligt waren. Anhand des dem BSI von den
Betroffenen übersandten Erpressertextes konnte die Schadsoftware Sodinokibi als wahrscheinlichster Verursacher
festgestellt werden. Das BSI versorgte den betroffenen IT-Dienstleister der DRK-Trägergesellschaft Süd-West als erste
Sofort-Maßnahme mit einem fallspezifischen Unterstützungspaket. Dies enthielt aktuelle Warnungen und Hilfen sowie
Informationen zur identifizierten Schadsoftware. Zusätzlich bestand das Angebot aus einem Einsatz des Mobile Incident
Response-Teams (MIRT) zur Unterstützung vor Ort, welches am 18. Juli angenommen wurde. Am 19. Juli befand sich
ein mehrköpfiges Team vor Ort. Das MIRT des BSI und der IT-Dienstleister arbeiteten gemeinsam erfolgreich daran,
den Umfang des Angriffs festzustellen, das wahrscheinlichste Einfallstor zu ermitteln, den Angreifer aus dem Netz zu
entfernen und auszusperren und das IT-Netz wieder in einen arbeitsfähigen Zustand zu versetzen. Der Einsatz dauerte
bis zum 26. Juli 2019.
Als Reaktion auf diesen Vorfall wurde im August 2019 auf Initiative des Ministeriums für Soziales, Arbeit, Gesundheit
und Demografie des Landes Rheinland-Pfalz der Runde Tisch zur IT-Sicherheit der Krankenhäuser ins Leben gerufen,
eine mit Fachexpertinnen und -experten besetzte Projektgruppe. Ihre Aufgabe war es, Empfehlungen zu formulieren
und konkrete Maßnahmen auszuarbeiten, die insbesondere dazu dienen, die rheinland-pfälzischen Krankenhäuser
zum Thema Informationssicherheit zu informieren und zu sensibilisieren. Teilnehmer der Projektgruppe waren neben
Vertretern des Gesundheitsministeriums unter anderem Vertreter des BSI, der rheinland-pfälzische Landesbeauftragte
für den Datenschutz und die Informationsfreiheit, Vertreter der Krankenhausgesellschaft Rheinland-Pfalz, Vertreter des
Verbands der Krankenhausdirektoren sowie der Leiter IT-Management der DRK-Trägergesellschaft Süd-West mbH. Im
März 2020 verabschiedete der Runde Tisch einen Maßnahmenplan.
Bewertung
Der Sektor Gesundheit ist von zentraler Bedeutung für das Funktionieren des Gemeinwesens und gehört deshalb zur
Kritischen Infrastruktur. Das BSI begrüßt die aus den Erfahrungen des Vorfalls entstandene Initiative des Landes Rheinland-Pfalz, die Zusammenarbeit zur Steigerung der Informationssicherheit in Kliniken zu institutionalisieren, und engagiert sich gerne auch zusammen mit anderen Bundesländern, Trägern und deren Verbänden für den Gesundheitssektor.
Empfehlung
Ein wichtiger Erfolgsfaktor für die Bewältigung von Cyber-Sicherheitsvorfällen ist ein funktionierendes und eingeübtes
Notfallmanagement. In diesem Fall wesentlich war die übergreifende Krisenbehandlung im Krankenhaus, d. h. ein Zusammenwirken des Business Continuity Managements (BCM) im Bereich der Patientenversorgung, z. B. durch Umstellung der Behandlungsdokumentation mittels Stift und Papier, und des IT-Notfallmanagements. Für die IT-Vorfallsbehandlung gilt: Problem eingrenzen, Ursache finden, erforderliche Maßnahmen auswählen.
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