Cyber-Bedrohungslage Die Cyber-Bedrohungslage in Deutschland ist von steigender Komplexität und Interdependenz der eingesetzten Technik und sich ständig wandelnden Bedrohungen geprägt. Mit der Digitalisierung moderner Gesellschaften wachsen zugleich deren Verwundbarkeit und das Missbrauchspotenzial im Cyber-Raum. Überdies wird die Privatsphäre der Bürgerinnen und Bürger zunehmend angreifbar. Die Folgen von Cyber-Angriffen beschränken sich nicht auf den Cyber-Raum. Erfolgreiche Angriffe können gesellschaftliche, wirtschaftliche, politische und auch persönliche Schäden verursachen. Angriffe auf staatliche Institutionen mit dem Ziel der Ausspähung oder Sabotage können die Funktionsfähigkeit von Verwaltung, Streitkräften und Sicherheitsbehörden erheblich beeinträchtigen und damit Auswirkungen auf die öffentliche Sicherheit und Ordnung in Deutschland haben. Auch Cyber-Angriffe auf Energieversorgungsnetze können weite Bereiche des öffentlichen und privaten Lebens zum Erliegen bringen. Gezielte Cyber-Angriffe auf Bankeninfrastrukturen oder Börsenkursmanipulationen können zu einer Gefahr für die Finanzmärkte insgesamt werden und weitreichende Auswirkungen auf die Wirtschaft in Deutschland und der Welt haben. Die Manipulation beim automatisierten und vernetzten Fahren, der IT-gestützten Verkehrslenkung oder von IT-Anwendungen im Gesundheitswesen kann sehr reale und ernsthafte Gefahren für Leib und Leben der Bürgerinnen und Bürger herbeiführen. Die gezielte Verbreitung von Falschmeldungen, die durch gekaperte IT-Systeme ermöglicht wird, kann zur Desinformation und Manipulation der öffentlichen Meinung genutzt werden. Hierin bestehen langfristig Gefahren für die freiheitliche Gesellschaft und die Demokratie. 6 | Cyber-Sicherheitsstrategie Die Angreifer haben vielfach einen kriminellen, extremistischen/terroristischen, militärischen oder nachrichtendienstlichen Hintergrund. Die quantitative und qualitative Vielfalt der potenziellen Akteure aus dem In- und Ausland und der technischen Möglichkeiten zur Verschleierung erschweren die Erkennung, Zuordnung, Abwehr und Verfolgung von Cyber-Angriffen. Politisch-militärische Konflikte werden oft von Cyber-Kampagnen begleitet oder unterhalb der Schwelle zum bewaffneten Konflikt auch im Cyber-Raum ausgetragen. Dies erschwert die politische Bewertung von Cyber-Angriffen und die Entscheidung über die gebotenen Gegenmaßnahmen. Zahl und Qualität der Cyber-Angriffe nehmen dabei kontinuierlich zu und treffen auf oftmals unzureichend gesicherte IT-Systeme. Ein Teil der Angriffe weist einen hohen Professionalisierungsgrad auf. Angriffswerkzeuge sind mittlerweile sowohl für staatliche Akteure als auch für kriminelle Gruppen oder Individuen verfügbar. Insbesondere gegenüber technologisch hoch entwickelten Schadprogrammen reichen die klassischen Abwehrwerkzeuge häufig nicht mehr aus. Die Angreifer sind dabei technisch in der Lage, Cyber-Angriffe zu verbergen oder ihre Täterschaft zu verschleiern. Daher sind Cyber-Angriffe und deren Ursprung immer häufiger nicht oder nur mit großem Aufwand und erheblicher Zeitverzögerung festzustellen. Es ist von einer Vielzahl bislang nicht erkannter Angriffe auszugehen. Staat, Wirtschaft und Gesellschaft in Deutschland werden von dieser Bedrohungslage in den kommenden Jahren in erheblichem Maße betroffen sein. Cyber-Sicherheitsstrategie | 7

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