ZUR SICHERHEITSPOLITIK – DEUTSCHLANDS SICHERHEITSPOLITISCHES UMFELD Simultan entstehen Kräfte der Antiglobalisierung: introvertierter und oft radikaler Nationalismus, gewalttätiger Extremismus und religiöser Fanatismus als Ausdruck von Identitäts- und Legitimitätsdefiziten, in vielen Fällen aber auch von Werte- und Normenverfall. Diese Kräfte können Zerfallsprozesse staatlicher Ordnung verstärken. Demographische Entwicklungen und Urbanisierung sind weitere Ursachen des Umbruchs. Die weiter wachsende Weltbevölkerung konzentriert sich immer mehr in urbanen, küstennahen Regionen. Diesen kommt daher zunehmende Bedeutung als Ausgangs- oder Kristallisationspunkt von Konflikten zu. Deutschlands sicherheitspolitisches Umfeld ist noch komplexer, volatiler, dynamischer und damit immer schwieriger vorhersehbar geworden. Zudem stehen alternde Gesellschaften solchen Staaten gegenüber, die über einen hohen Anteil einer jungen Bevölkerung verfügen. Erstere müssen neue Wege gehen, um genügend qualifizierte Zuwanderung zu ermöglichen, Fachkräfte zu binden und ihre Produktionsbedingungen älteren Belegschaften anzugleichen, um international wettbewerbsfähig zu bleiben. Letztere stehen vor der fundamentalen Herausforderung, der jungen Generation Entwicklungsperspektiven zu bieten und die erforderlichen Ausbildungs- und Arbeitsplätze zu schaffen. In vielen Teilen der Welt steht der Staat als zentrales Ordnungselement in seiner Legitimation und Funktionalität noch anderen Herausforderungen gegenüber: Schlechte Regierungsführung, informelle Ökonomien, die durch weit verbreitete Vetternwirtschaft und Korruption gekennzeichnet und vielfach mit organisierter Kriminalität verflochten sind, befördern innerstaatliche Konflikte sowie regionale und internationale Krisen. Eine Gesellschaft im Umbruch – auch Deutschland muss sich den Herausforderungen der Urbanisierung und des demographischen Wandels stellen. 29

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