DIE LAGE DER IT-SICHERHEIT IN DEUTSCHLAND 2020 | GEFÄHRDUNGSLAGE
COVID-19 Soforthilfe-Maßnahmen durch Cyber-Kriminelle missbraucht
Sachverhalt
Nahezu unmittelbar nach Bekanntgabe und Umsetzung der finanziellen Soforthilfe-Maßnahmen auf Bundes- und Länderebene Ende März 2020 wurden Phishing-Kampagnen beobachtet, die versuchten, diese Maßnahmen auszunutzen. Betrüger
registrierten dafür Phishing-Domains und gestalteten die darunter erreichbaren Webseiten teilweise identisch zu den offiziellen Soforthilfe-Seiten. Anschließend wurden diese Seiten mit unterschiedlichen Mitteln wie Spam-E-Mails oder Platzierungen
in Suchmaschinen in Umlauf gebracht. Es ist davon auszugehen, dass das grundlegende Ziel dieser Phishing-Versuche die
Sammlung von Informationen über finanziell notleidende Unternehmen und Privatpersonen war. Diese Informationen konnten die Angreifer anschließend verwenden, um bei den offiziellen Soforthilfe-Stellen Zahlungen im Namen der Opfer abzurufen, wodurch dem eigentlich berechtigten Antragssteller etwaige Hilfeleistungen zumindest vorübergehend verwehrt wurden
und dem Staat erheblicher Schaden entstanden ist. Langfristig ist auch die Verwendung der durch das Phishing gewonnen
Informationen für Folgeangriffe auf die Opfer nicht auszuschließen.
Phishing-Angriffe im Kontext finanzieller Unterstützungsleistungen waren allerdings nicht allein auf Deutschland beschränkt.
Auch in anderen Staaten, die vergleichbare finanzielle Soforthilfe-Maßnahmen aufgesetzt hatten, konnten derartige Angriffsversuche beobachtet werden.
Reaktion
Um zu verhindern, dass Cyber-Kriminelle die amtlichen Soforthilfe-Seiten mit den erbeuteten Identitätsdaten missbrauchen, wurden einige Soforthilfe-Seiten vorübergehend vom Netz genommen und in der Folge auch einige Auszahlungen
zwischenzeitlich ausgesetzt. Nach einer Überarbeitung und Überprüfung der betroffenen Prozesse wurde die Antragsstellung über die amtlichen Webseiten sowie die Auszahlungen wieder aufgenommen. Die zuständigen Polizeien der Länder
ermitteln.
Identifizierte betrügerische Webauftritte wurden im Rahmen der Ermittlungen vom Netz genommen. Das BSI hat die Ermittlungsbehörden bei der Abschaltung betrügerischer Webseiten mit Bezug zu COVID-19 unterstützt. Mehrere offizielle
Stellen der Länder und des Bundes so auch das BSI warnten öffentlich vor diesen Betrugsversuchen.
Empfehlung
Um sich vor Phishing- und ähnlichen Betrugs-Kampagnen zu schützen, ist bei E-Mails, Telefonaten und Webseiten, die
personenbezogene Daten abfragen, besondere Vorsicht geboten. Die Authentizität des Absenders einer E-Mail sollte im
Zweifel telefonisch überprüft werden.
1.9
Zusammenfassung und
Bewertung der Gefährdungslage
Die Lage der IT-Sicherheit in Deutschland bleibt im
Berichtszeitraum angespannt. Angreifer nutzten
Schadprogramme für cyber-kriminelle Massenangriffe auf Privatpersonen, Unternehmen, Behörden und
andere Institutionen, aber auch für gezielte Angriffe auf
ausgewählte Opfer. Zugleich hat die Bedrohung durch
Daten-Leaks mit der Offenlegung von Millionen von
Patientendatensätzen im Internet eine neue Qualität
erreicht. Im Berichtszeitraum traten, wie in den vorangegangenen Kapiteln dargestellt, zudem mehrere, teils
kritische Schwachstellen in Software-Produkten auf, die
Angreifer für Schadprogramm-Angriffe oder Datendieb-
34
stahl ausnutzen konnten. Dabei nutzten die Angreifer
auch verstärkt den Faktor „Mensch“ als Einfallstor für
Angriffe, die mit Social-Engineering-Methoden arbeiten
und gleichsam als Türöffner für weitere Angriffe dienen.
Nachstehend noch einmal zusammenfassend einige
herausgehobene Beispiele aus dem Berichtszeitraum:
•
Neue Schadprogramm-Welle im Herbst und Winter:
Emotet dominiert die Lage
Dominiert wurde die Lage durch das Schadprogramm Emotet, das sich schon im vergangenen
Berichtszeitraum als besonders gefährlich erwiesen
hatte. Es ermöglicht eine Kaskade weiterer Schadsoftware-Angriffe bis hin zu gezielten Ransomware-
Select target paragraph3
Connect to a paragraph
Connect to an entity
Disable highlights
Add to table of contents