DIE LAGE DER IT-SICHERHEIT IN DEUTSCHLAND 2020 | ZIELGRUPPENSPEZIFISCHE ERKENNTNISSE UND LÖSUNGEN
den Notfall für hilfreich. Zudem wünschen sich die
Befragten in Zukunft verstärkt mehr Hinweise, wie
sie Kriminalität im Internet erkennen können (58 %)
und was man als Opfer tun kann (46 %). ProPK und
BSI haben auf diese Bedürfnisse bereits reagiert und
eine Checklisten-Reihe ins Leben gerufen, die auf den
jeweiligen Webseiten zum Download zur Verfügung
steht (vgl. Quellenverzeichnis21: www.bsi-fuer-buerger.
de). Diese wird kontinuierlich erweitert.
Ergebnisse und Erkenntnisse aus einem Projekt zum
Schutz von Online-Konten
Die Entwicklung wirksamer Schutzmaßnahmen von
Online-Konten für Bürgerinnen und Bürger ist Ziel eines
gemeinsamen Projektes, das das BSI gemeinsam mit dem
Bundeskanzleramt im Juli 2019 begonnen hat. Die erste
Phase des Projekts verfolgte das Ziel, Erkenntnisse zum
Umgang mit Passwörtern, zu Handlungsbarrieren und
Risikowahrnehmung zu gewinnen sowie zu erfahren, auf
welchen Wegen Anwenderinnen und Anwender zu diesen
Themen informiert und aufgeklärt werden möchten.
Aus zehn Gruppendiskussionen mit insgesamt 100
Teilnehmerinnen und Teilnehmern, aufgeteilt in fünf Altersgruppen und nach Geschlecht, erhielt das Projektteam
erste Einblicke und Anhaltspunkte zu diesen Themenfeldern. Diese flossen in den Fragebogen einer repräsentativen Online-Befragung ein (n=995, 16 Jahre und älter,
Durchführungszeitraum: 26. Oktober bis 3. November
2019). Die in der Folge dargestellten Erkenntnisse zum
Schutz von Online-Konten bei Privatanwenderinnen und
-anwendern basieren auf diesen beiden Befragungen.
Risikowahrnehmung
Im Durchschnitt wird die Gefahr, dass Datendiebe
an Passwörter gelangen könnten, als mittelhoch
betrachtet (Mittelwert=2,9 auf einer Skala von 1=sehr
gering bis 5=sehr hoch). Dabei halten es die Befragten für am wahrscheinlichsten, dass Hacker über
Datendiebstähle bei Unternehmen an ihre Passwörter
gelangen könnten (Mittelwert=3,3 auf einer Skala
von 1=überhaupt nicht wahrscheinlich bis 5=sehr
wahrscheinlich). Sie glauben eher nicht, dass sie sich
selbst durch Passwörter wirksam vor Hackern schützen können. Gleichzeitig wissen sie eher nicht, ab
wann ein Passwort nicht mehr von Hackern geknackt
werden kann.
Umgang mit Passwörtern und verfügbarer Technik
Gerade die Anzahl an Passwörtern, die in verschiedenen Kontexten, ob zu Hause oder unterwegs, abrufbar
sein müssen, stellt für die Befragten eine Herausforderung dar. Knapp vier Fünftel der Befragten (78 %)
nutzen bis zu 20 Online-Accounts, die mit einem
Passwort geschützt werden müssen. Dem begegnen
40
drei Viertel der Befragten (74 %) mit dem Ansatz, sich
Passwörter selber zu merken. Rund ein Drittel (34 %)
notiert sich Passwörter auf Papier, 15 % speichern sie
in einem Passwortmanager (Mehrfachnennungen
waren möglich).
Zwei Drittel der Befragten (67 %) geben an, dass sie
völlig unterschiedliche Passwörter vergeben. Auf eine
eigene Regel, nach der Passwörter erstellt werden,
greifen 10 Prozent der Befragten zurück, 6 Prozent
von ihnen verfolgen die Strategie, aus einem willkürlich gebildeten Satz ein Passwort aus den Anfangsbuchstaben abzuleiten.
Von den 39 Prozent der Befragten, die Passwortmanager kennen, setzt letztlich nur knapp ein Drittel
(27 %) derartige technische Hilfsmittel ein, um starke
Passwörter zu erstellen und sich bei Online-Accounts
anzumelden. Hauptgrund für die Nichtnutzung
solcher Software sind Vorbehalte (67 %). Besonders
stark wiegt dabei die Sorge, dass ein Hacker mit einem
Schlag an alle verwendeten Passwörter gelangen
könnte (78 %), ebenfalls verbreitet ist eine Skepsis
gegenüber der Seriosität von Anbietern solcher Programme (58 %, Mehrfachnennungen möglich).
Informationsbedarf
Zwei Drittel der Befragten wünschen sich mehr Informationen, wie sie sich vor Datendiebstahl schützen
können (66 %). Praktische Tipps, wie man bei sehr
vielen Konten seine Passwörter sicher handhabt,
stehen dabei im Mittelpunkt des Informationsinteresses (59 %), gefolgt von Empfehlungen, welche Software
zum Schutz der eigenen Online-Konten geeignet ist
(52 %), und Informationen über die Vor- und Nachteile
von Passwortmanagern (49 %, Mehrfachnennungen
möglich).
Ein ausführlicher Zwischenbericht mit weiteren Informationen zu den Befragungen und ihren Ergebnissen ist
unter www.bundesregierung.de (vgl. Quellenverzeichnis 22:
www.bundesregierung.de) abrufbar.
2.1.2 Digitaler Verbraucherschutz
Nicht nur die zahlreichen Fälle von Identitätsdiebstahl im
aktuellen Berichtszeitraum zeigen: In unserem zunehmend digitalen Alltag sind wir als Verbraucherinnen und
Verbraucher permanent Gefahren und Risiken ausgesetzt.
Durch die Aktivitäten des BSI werden Bürgerinnen und
Bürger in der digitalen Welt besser für diese Cyber-Gefahren sensibilisiert und damit die Widerstandsfähigkeit der
Gesellschaft erhöht. Das BSI arbeitet für die Verbraucherinnen und Verbraucher insbesondere daran, ihr Risiko-
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