DIE LAGE DER IT-SICHERHEIT IN DEUTSCHLAND 2020 | GEFÄHRDUNGSLAGE
1.2.2 Schadprogramme für den Diebstahl
von Identitätsdaten
Neben Phishing kommen ebenfalls Schadprogramme für
den Diebstahl und den Missbrauch von Identitätsdaten zum
Einsatz. Das Schadprogramm Emotet unterstreicht hierbei
eindrucksvoll, welchen enormen Mehrwert gesammelte
Identitätsdaten als Grundlage für nachfolgende Angriffe
haben. Emotet liest die Kontaktbeziehungen und E-Mail-Inhalte aus den Postfächern infizierter Systeme aus. Diese
Informationen verwenden die Angreifer im Anschluss
daran zur weiteren Verbreitung des Schadprogramms. Der
große Erfolg von Emotet beruht darauf, dass die E-Mails
besonders authentisch wirken und so die Opfer erfolgreich
zum Öffnen verleiten (vgl. Kapitel Emotet: Neue Qualität
fortschrittlicher Angriffe, Seite 11).
Auch bei Erpressungsversuchen spielt der Diebstahl privater
Informationen im Einzelfall eine große Rolle. Dem BSI wurden einige Fälle bekannt, bei denen – neben der Forderung
nach Lösegeld für die Entschlüsselung von Daten – zusätzlich damit gedroht wurde, die abgeflossenen privaten
Informationen im Internet zu publizieren. Beispiele für
dieses Vorgehen sind die Angreifergruppierungen hinter
den Ransomwares Sodinokibi und Maze (vgl. Kapitel
Ransomware, Seite 11).
Aber nicht nur der Einsatz komplexer Schadprogramme
stellt eine Gefahr dar. Auch scheinbar einfache Programme
wie Browser-Erweiterungen können für Nutzerinnen und
Nutzer risikobehaftet sein und den Verlust persönlicher
Daten bewirken. Browser-Erweiterungen sind optionale
Programme, die den bestehenden, standardmäßigen Funktionsumfang der Browser um zusätzliche Funktionalitäten
ergänzen können. Im Berichtszeitraum wurde eine Vielzahl
dieser Erweiterungen von Browser-Herstellern gesperrt,
weil sie schädliche Eigenschaften aufwiesen. So entfernte
beispielsweise der Entwickler des Browsers Firefox, Mozilla,
Ende 2019 unter anderem die Browser-Erweiterung eines
bekannten Herstellers für IT-Sicherheitssoftware. Diese
hatte umfangreiche Daten über das Surf-Verhalten seiner
Nutzerinnen und Nutzer erfasst und anschließend für Marketingzwecke verwendet.
Insgesamt zeigte sich im Berichtszeitraum erneut, dass die
stetig wachsende Anzahl frei verfügbarer Identitätsdaten
eine bedrohliche Basis für weitere Angriffe darstellt. Auch
scheinbar unbedeutende Programme wie beispielsweise
Browser-Erweiterungen können großen Schaden anrichten.
1.2.3 Daten-Leaks
Meldungen zum Diebstahl von Kundendaten wurden auch
im aktuellen Berichtszeitraum wieder häufig beobachtet.
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Unter den von einem Daten-Leak betroffenen Unternehmen befanden sich unter anderem namhafte Banken und
Zahlungsdienstleister, Technologieunternehmen, Arztpraxen und Krankenhäuser, Hochschulen sowie ein Unternehmen im Elektronik-Versandhandel und ein weiteres
in der Autovermietung (vgl. Vorfall Daten-Leak bei einer
deutschen Autovermietung, Seite 21). Im Berichtszeitraum
stachen neben dem Vorfall bei der Autovermietung besonders die Veröffentlichung großer Mengen privater Krankendaten heraus. Solch hochsensible personenbezogene Daten,
insbesondere aus dem medizinischen Sektor, haben einen
besonders hohen Schutzbedarf.
Die Vielfalt und Häufigkeit von Vorfällen, bei denen
immer wieder sensible Daten unfreiwillig veröffentlicht
werden, sind besorgniserregend. Auch größere Unternehmen bleiben hiervon nicht verschont. Sicherheitsforscher
entdeckten Ende 2019 mehrere ungesicherte Datenbanken eines Technologieunternehmens mit Kunden- und
Supportinformationen, die aufgrund von Fehlkonfigurationen öffentlich im Internet verfügbar waren (vgl. Quellenverzeichnis5: www.heise.de). Solche Daten bieten eine hervorragende Grundlage für vorgetäuschte Support-Anfragen.
Bei dieser Form des Social Engineering geben sich Angreifer
beispielsweise als Mitarbeiter des Unternehmens aus und
versuchen, per Anruf oder über im Computer eingeblendete,
gefälschte Warnhinweise unter falschem Vorwand, Sicherheitsfunktionen auszuhebeln oder Zugriff auf das System
des Opfers zu erlangen. Insbesondere vor dem Hintergrund
der COVID-19-Pandemie stellen solche Angriffe eine erneut
wachsende Bedrohung dar: Derartige Angriffsmöglichkeiten treffen in dieser Sondersituation unter Umständen
vermehrt auf unvorbereitete oder unaufmerksame Personen, die sich gezwungen sehen, schnell zu handeln, ohne
die gebotene Sorgfalt walten zu lassen (vgl. Kapitel Gefährdungen der Cyber-Sicherheit durch die COVID-19-Pandemie,
Seite 33; vgl. Vorfall COVID-19 Soforthilfe-Maßnahmen durch
Cyber-Kriminelle missbraucht, Seite 34).
Um im Internet offen erreichbare, exponierte Datenbanken
und Systeme zu identifizieren, sind frei erhältliche Tools
und Dienste verfügbar. Angreifer können sie beispielsweise
nutzen, um unbefugten Zugriff auf solche Datenbanken
und Systeme zu erhalten.
Die regelmäßigen Meldungen zu Datenabflüssen lassen
Diensteanbietern eine große Verantwortung zuteilwerden.
Besonders im Gesundheitssektor kann das Öffentlichwerden sensibler Daten auch gleichzeitig negative Auswirkungen auf die jeweils individuelle Gesundheit der Patientinnen
und Patienten haben - mit möglicherweise lebenslangen
Folgen. Die aktuellen Fälle von Identitätsdiebstahl zeigen
jedoch auch, dass die digitale Eigenverantwortung jedes
Einzelnen einen wesentlichen Bestandteil der nachhaltigen
IT-Sicherheit darstellt.
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